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  • AutorenbildMarkus Sommer

Die Substitution calciumhaltiger Produkte im energieerzeugenden Sektor und ihre Folgen

Als die ersten Hinweise auf die Entstehung von Chrom (VI)-Verbindungen (insbesondere Calciumchromat) in Zusammenhang bei der Verwendung calciumhaltiger Montagepasten und/oder calciumhaltiger Isoliermaterialien im Hochtemperaturbereich (300°C - 750°C) bei technischen Anlagen (Motoren, Turbinen, Apparate, Rohrleitungen etc.) aufkamen, war die Datenlage noch etwas dünn.


Plötzlich waren Produkte, die über Jahrzehnte weltweit zum Einsatz kommen, mit einem gewissen Makel behaftet.


Chrom (VI) und seine Verbindungen wurden in die REACH-Liste aufgenommen und insbesondere beim sog. "Hartverchromen" mussten neue Wege gegangen werden, weil auch die Belastungsgrenzen für Arbeitsplätze nicht nur wegen der Erkenntnis, dass insbesondere beim Schweißen krebserregende und erbgutverändernde, Chrom (VI)-haltige Dämpfe freigesetzt werden, empfindlich gesenkt wurden.


So beträgt z. B. in Deutschland der Grenzwert für Cr6-Verbindungen am Arbeitsplatz mittlerweile ein Mikrogramm/m³ Arbeitsluft je 8-Stunden Schicht, also lediglich ein Millionstel Gramm.


Den Anfang, calciumfreie Montagepasten zu präsentieren, machte 2022 die Firma Molyslip, im Jahre 2023 brachte dann auch die Firma DuPont eine calcium- und magnesiumfreie Version ihrer weltweit vertriebenen Montagepaste "Molykote" heraus.



calciumfreie Montagepasten verhindern die Bildung von Calciumchromat, eine krebserregende Chrom (VI)-Verbindung
Molyslip - calciumfreie Montagepasten

calciumfreie Montagepaste Molykote P-3700 zur Verhinderung der Bildung von Calciumchromat, eine krebserregende Chrom (VI)-Verbindung
Molykote calciumfreie Montagepaste

Bereits im Jahre 2021 präsentierte die Firma Kavarmat s.c. aus Polen erste calciumfreie Isolierungen für Motoren und Turbinen und definiert nach eigenen Worten "den neuen Stand der Technik" - juckfreie, alkali- und erdalkalifreie Isolationsmaterialien und Hochtemperaturisolierungen:



alkali- und erdalkalimetallfreie Hochtemperatur-Isolierungen zur Verhinderung der Entstehung krebserregender Chrom (VI)-Verbindungen
Kavarmat - alkali- und erdalkalimetallfreie Isolierungen

Während der Austausch der calciumhaltigen Montagepasten relativ geräuschlos von statten geht, indem insbesondere die Maschinenhersteller ihr eigenes Personal, aber auch ihre Kunden und Geschäftspartner ausreichend informieren, bleibt die Reaktion bei Dämmstoffherstellern und Isolierbetrieben aus.


Der Grund dürfte auf der Hand liegen, es geht wie immer um ... Geld!

Der Kampf gegen Chrom (VI) in der Dämmstoffindustrie wird Motoren- und Turbinenhersteller und Produzenten von Isolationsmaterialien hunderte von Millionen Euro kosten

Eine Tube oder auch größere Dose Montagepaste ist schnell ausgetauscht, was aber passiert mit den auf technischen Anlagen befindlichen zigtausenden Metern und somit Tonnen von Mineralfasern, Isolationskissen und anderen Hochtemperatur-Dämmsystemen?



Die Dämmstoffindustrie hüllt sich noch in Schweigen!


Noch vor gut zwei Jahren hatte einer der größten deutschen Fachverbände der Mineralwolleindustrie vergeblich versucht, gegen die oben erwähnte polnische Firma Kavarmat eine einstweilige Verfügung gegen Veröffentlichungen des polnischen Unternehmens gerichtlich durchzusetzen.


Überzeugt von der vermeintlichen Unantastbarkeit der eigenen, wenn auch calciumhaltigen Produkte, sollte allein der angestrebte Streitwert von 60(!) Millionen Euro das kleine polnische Unternehmen mit deutschen Wurzeln abschrecken, verunsichern und wohl schnell "mundtot" machen.


Doch es kam anders als man es sich in den hohen Etagen wohl erhofft hatte, und so liest man im Tex des Vergleichsurteil, welches der Redaktion in vollem Umfang vorliegt, unter anderem:


"2. Die Verfügungsbeklagte verpflichtet sich ... im Kontext von calciumhaltiger Mineralwolle an Hochtemperaturanlagen nicht abstrakt von Chrom (Vl)-Verbindungen zu sprechen, sondern immer konkret von der Chrom (Vl)-Verbindung (Calciumchromat), wenn er sich auf Calciumchromat bezieht. Wenn aus dem Kontext andere Chrom (Vl)-Verbindungen gemeint sind, müssen diese gleichermaßen spezifiziert werden."


Mit anderen Worten: die Verwendung calciumhaltiger Mineralwolle kann an Hochtemperaturanlagen zur Bildung der krebserregenden Chrom (VI)-Verbindung Calciumchromat führen.


Über nichts anderes berichten wir auch hier:

die Verwendung calciumhaltiger Hochtemperatur-Isolationsmaterialien kann an Hochtemperaturanlagen, bei Kontakt mit edelstahlhaltigen Heißteilen oder Verbindungs- oder Befestigungsmaterialien zur Bildung der krebserregenden und chronisch umweltschädlichen Chrom (VI)-Verbindung Calciumchromat führen.

Fortsetzung folgt!






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