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  • AutorenbildMarkus Sommer

gewollte Wortfindungsstörungen

Der Kreativität der Abwiegler und Verdränger sind irgendwie keine Grenzen gesetzt - man muss sie ja aber auch irgendwie verstehen...




man muss das Spiel mit dem sog. "gefährlichen Halbwissen" nur beherrschen, oder auch: ich rede mir die Welt schön

Man darf fast davon ausgehen, dass jetzt doch schon einige etwas vom so genannten "Chrom (VI)-Dilemma" gehört haben.


Dank LinkedIn und einiger Premium-Funktionen sehen wir ja auch, welche Zielgruppe angesprochen wird und einige tausend Views je LinkedIn-Artikel lassen erahnen, dass sich der eine oder andere doch schon orientiert bzw. versucht, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.


Obwohl wir uns bemühen, das "Problem" so einfach wie möglich darzustellen, neigt der Mensch halt doch dazu, immer nur Fragmente einer Thematik aufzunehmen, wahrscheinlich ist auch die mediale Reizüberflutung viel zu hoch heutzutage, man nehme nur das Thema "Corona" als Beispiel.


Wir sind dankbar, dass uns diejenigen, die sich wirklich für die Thematik interessieren, immer mit den neuesten Stellungnahmen derer versorgen, die der Meinung sind, unbedingt etwas zum Thema beisteuern zu müssen und so erreichen uns immer wieder Stellungnahmen von Herstellern und Anwendern, bei denen wir als Redaktion schon lange auf der sog. Blacklist stehen, an dieser Stelle einmal herzlichen Dank an diejenigen, die nicht wegschauen und ein Interesse an einer Lösung haben und uns diese Dinge mitteilen.

 

Der sicherlich witzigste Hinweis aus dem Bereich der Hochtemperaturisolierungen kam von einem Hersteller von Dämmsystemen, der wohl wirklich nichts verstanden hat, wir zitieren (Beispiel I):


"..Calciumoxid (CaO) besteht aus Calcium (Ca) und Sauerstoff (O), nicht aus Chrom (Cr).


Chrom VI besteht zu keinem Teil aus Calcium, der zur Bindung notwendige Sauerstoff

(O) befindet sich in der Umgebungsluft.


Die Bildung von Chrom VI ist daher unabhängig von der Anwesenheit von Calciumoxid.


Das konnte auch durch Testreihen nachgewiesen werden, Chrom VI trat dabei sowohl in An- als auch Abwesenheit von Calciumoxid auf.


Eine Häufung war zu sehen im Bereich von Schweißnähten an Abgasanlagen.


Das für die Bildung von Chrom VI notwendige Chrom befindet sich in Edelstählen als

Teil der Legierung um einen Rostschutzeffekt zu erzielen.


Bei der Bildung von Chrom VI löst sich das Chrom aus dem Edelstahl und tritt an der

Oberfläche aus. An der Stelle wird es dann von den Produkten, die dort angebracht

sind aufgenommen. ... Ist der Edelstahl ungedämmt, rieselt das Chrom VI herunter und sammelt sich als gelbes Pulver auf dem Boden darunter.


Es kann daher zusammenfassend gesagt werden, dass Isolierungen nicht für die Bildung von Chrom VI verantwortlich sind, solange sie kein Chrom enthalten..."

 

Interessant auch ein weiterer Erklärungsversuch eines weiteren Herstellers von Dämmstoffen, wir zitieren (Beispiel II):


"..Nach unserem heutigen Kenntnisstand handelt es sich bei der Bildung von Cr(VI)-Verbindungen um die bei hohen Temperaturen und Sauerstoffpartialdrücken stattfindende chemische Reaktion der Cr(III)-Passivierungsschicht (Cr2O3) der Edelstahloberfläche zu Cr(VI).


Dieser Reaktionsprozess wird durch die Präsenz von Wasserdampf, der z.B. durch den Verbrennungsvorgang in Gasturbinen vorliegt und ggf. beim An- und Abfahren von Turbinen entweichen kann, beschleunigt und findet auch bereits

bei Temperaturen deutlich unter 1000° C statt. Dabei bildet sich die volatile Cr(VI)-Verbindung CrO2(OH)2, die durch ihr Vorliegen in der Gasphase von der Edelstahloberfläche entweichen kann.


Durch mögliche Reaktionen dieser Cr(VI)-Verbindung mit reaktionsfähigen Alkali- oder Erdalkaliverbindungen, z.B. möglicherweise aus Anti-Seize-Mitteln, können optisch sehr auffällig gefärbte Verbindungen entstehen (z.B. Kalziumchromat), wodurch die Cr(VI)-Emissionen aus der Edelstahloberfläche sichtbar werden.

 

Lieber "Beispiel I"-Verfasser, Chrom VI ist in der Regel nicht gelber Staub, Chrom VI ist eher rotbraun, hat die chemische Formel CrO3 und rieselt nicht herunter, wenn Edelstahl ungedämmt ist und erhitz wird.


Chrom VI hat mit Calciumoxid wirklich nichts zu tun und worum geht es denn jetzt, um Chrom VI, oder um eine Chrom VI-Verbindung?

Also rotbraunes Chrom VI rieselt bei ungedämmten Edelstahlkörper in gelber Form als Pulver herunter, bei gedämmten Edelstahlkörpern aber nicht, weil es aufgenommen wird? Also von der Dämmung? Aber Chrom VI hat einen Schmelzpunkt von 197°C. Die deutsche Industrie fängt bei diesen Temperaturen vielleicht gerade erst an zu dämmen.


Also egal, wie wir diesen Erklärungsversuch auch drehen und wenden, im Chemieunterricht wäre das eine glattes "ungenügend", "mangelhaft" wäre schon eine Beleidigung... Knapp daneben ist eben auch vorbei.

 

Der "Beispiel II"-Verfasser hat sich Mühe gegeben, er hat sich viel über die sog. "Hochtemperaturkorrosion" angelesen. Hier haben insbesondere Turbinenbauer untersucht, wieviel Druck und Temperatur sie fahren können, um den Wirkungsgrad einer Dampf- oder Gasturbine noch zu erhöhen.


Der beschriebene Prozess findet tatsächlich statt, aber er hilft leider nicht als Erklärung.


Schauen wir uns den Satz "..Dieser Reaktionsprozess wird durch die Präsenz von Wasserdampf, der z.B. durch den Verbrennungsvorgang in Gasturbinen vorliegt und ggf. beim An- und Abfahren von Turbinen entweichen kann, beschleunigt und findet auch bereits bei Temperaturen deutlich unter 1000° C statt. Dabei bildet sich die volatile Cr(VI)-Verbindung CrO2(OH)2, die durch ihr Vorliegen in der Gasphase von der Edelstahloberfläche entweichen kann..." einmal genauer an, fällt Ihnen, liebe Leser etwas auf?


Genau!


Es heißt hier "IN" Gasturbinen und wo ist die OBERfläche einer Gasturbine, um die es hier geht?


Richtig, liebe Leser, die OBERfläche IN einer Gasturbine befindet sich folglich IN der Turbine und aus der Sicht des Isolierers wird vom Gesichtspunkt der Studien die AUSSENFLÄCHE der Turbine gedämmt und by the way: Diesen Drücken, von denen wir innerhalb einer Turbine sprechen würde keine Isolierung standhalten, sämtliche Isolierungen wären förmlich pulverisiert und der Isolierer würde wohl gleich mit pulverisiert werden.


Das mag der Grund sein, warum Turbinen bis heute äußerlich gedämmt werden, innen wäre es einfach nicht so gut...


Weiterhin scheint der Verfasser der "Beispiel II"-Erklärung wenig von Materialkunde zu verstehen. Oder wie soll bitteschön, die so genannte "volatile Chrom (VI)-Verbindung" durch die Materialwand der Turbine auf das böse Anti-Seize Mittel treffen?


Anti-Seize Mittel befinden sich also IN der Turbine?

Würde der Wasserdampf diese nicht angreifen? Und das bei diesen Drücken?


Fragen über Fragen...


Glas ist nicht inert! Der Glaskern eines handelsüblichen Dämmstoffes ebenso wenig!

Und bitte, nein - jetzt nicht auch noch behaupten, dass Glas inert ist, nur weil Limonade in einer früheren Bierflasche abgefüllt nicht nach Bier schmeckt.


Glas ist nicht inert! Es ist keine Zauberei, wenn z. B. Calciumoxid (CaO) auf der sog. "Gelschicht" von Gläsern gefunden wird, von denen man DACHTE, dass sie inert sind und so macht man sich heute schon Gedanken darüber, was man unternehmen kann, damit atomarer Müll, den man vorsorglich "eingeglast" hat, weil Glas ja inert ist oder sollte man besser sagen: inert schien, weiterhin sicher endgelagert werden kann.


Bitte googeln Sie "Glaskorrosion" oder "Glasrost" oder schauen Sie sich die Fenster der örtlichen Hallenbäder an, oder warum wird ein Glasspiegel eigentlich "milchig"?


Wir reden nicht über Chrom (VI), wir reden die ganze Zeit von Claciumchromat (CaCrO4), einer CHROM (VI)-VERBINDUNG

Fragen Sie bei berechtigten Bedenken gegenüber der von Ihnen eingesetzten Isolierung bitte richtig nach, dann ersparen Sie sich den oben zitierten Quatsch!


Eine Frageliste zum Download stellen wir Ihnen hier bald zur Verfügung, vorab schon einmal die Kernfragen, die Sie als Isolierer, Isolierbetrieb oder Betreiber von Anlagen, die eine Hochtemperatur-Dämmung haben, Ihrem Anbieter stellen sollten:


  1. Ja, ich weiß, dass Ihre Isolierungen bzw. Isoliersysteme KEIN CHROM (VI) enthalten und vermutlich auch KEIN CHROM (VI) freisetzen; beantworten Sie uns bitte nur die folgenden Fragen 2-

  2. Enthalten die von Ihnen angebotenen Dämmstoffe oder Dämmsysteme Calcium oder Calciumoxid und wenn ja, wie hoch ist der Anteil von Calcium (Ca bzw. CaO)?

  3. Enthalten die von Ihnen angebotenen Dämmstoffe oder Dämmsysteme Natrium oder Natriumoxid (Na bzw. NaO) oder Kalium (K) oder Magnesium (Mg) bzw. deren Oxide (KOH bzw. MgO) und wenn ja, wie hoch ist der Anteil dieser Stoffe in den von Ihnen angebotenen Dämmstoffen und -systemen?

  4. Sind die von Ihnen angebotenen, alkali- oder erdalkalihaltigen bereits im Auslieferungszustand mit chromhaltigen Materialien verstärkt (Drahtgestrick/ Drahtverstärkung)?

  5. Anbei eine beispielhafte wissenschaftliche Untersuchung zur Entstehung von Chromaten (Calciumchromat, Natriumchromat), in welcher Dämmstoffe oder Isoliersysteme untersucht werden, die auch die von Ihnen vertriebenen Dämmstoffe bzw. Isoliersysteme beispielhaft darstellen bzw. abbilden. Wie lautet Ihre Stellungnahme bzgl. dieser Untersuchungen, von denen es einige gibt, die wir Ihnen gerne zusätzlich zur Verfügung stellen?

  6. Sofern Sie sich darauf berufen, dass der sog. "Glaskern", der in Ihren Dämmstoffen/Isoliersystemenen den Hauptbestandteil der Isolierung bildet, als "inert" gilt, woher nehmen Sie diese Gewissheit, obwohl es genügend wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, dass die sog. "Gelschicht" einer Glasoberfläche Calciumoxid enthält.

  7. Wenn Sie sich als Hersteller von Dämmstoffen bzw. als Anbieter von Isoliersystemen darauf beziehen, dass u.a. calciumhaltige Montagepasten für die Entstehung von Calciumchromaten verantwortlich sein können, was verleitet Sie dann zur Argumentation, dass Ihr calciumhaltiger Dämmstoff bzw. Ihre calciumhaltige Isolierung nicht auch für die Entstehung von Calciumchromat verantwortlich sein kann, wenn sie mit chromhaltigen Oberflächen bei höheren Temperaturen in Verbindung kommt. Wie begründen Sie Ihre Darstellung, dass calciumhaltige Stoffe einerseits durchaus die Entstehung von Calciumchromat begünstigen können, andererseits aber ausgerechnet Ihr ebenfalls calciumhaltiges Produkt, obwohl mit einem flächenmäßig wesentlich höherem Masseanteil ausgerechnet nicht.

  8. Haben Sie wissenschaftlich belastbare Unterlagen, die die Nichtentstehung von Calciumchromat bei Verwendung Ihrer Produkte (Dämmstoff/Isoliersystem) belegen?

Bitte ersparen Sie uns wissenschaftliche Ausarbeitungen zum Thema "Hochtemperaturkorrosion" bei hohen Temperaturen und Dampfdrücken IN Turbinen und Kesseln und der möglichen Entstehung von "volatilem" (gasförmigen) CHROM (VI). Zum einen finden diese Prozesse innerhalb einer geschlossenen Einheit statt und eher bei Temperaturen oberhalb 600°C statt, zum anderen befinden sich die in allen wissenschaftlichen Studien erwähnten "OBERflächen" im INNEREN der untersuchten Systeme und haben mit der isolierten Oberfläche nichts gemein.


All unsere Fragen beziehen sich auf die mögliche Entstehung von Calciumchromat, Natriumchromat und Kaliumchromat, also Chrom (VI)-Verbindungen (Chromaten) bei Verwendung Ihrer Dämmstoffe/Isoliersysteme auf chromhaltigen Oberflächen, NICHT auf die Entstehung der reinen Substanz CHROM (VI)!


Sofern Sie diese Fragen Ihrem Anbieter von Dämmstoffen/Isoliersystemen vorlegen und Antworten bekommen, würden wir uns freuen, wenn Sie uns die erhaltenen Antworten, gerne anonymisiert, zukommen lassen.



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